Regen fällt auf die Welt

Jeder kennt das Gefühl, wenn es lange nicht geregnet hat und endlich die ersten erlösenden Tropfen fallen. Die Erleichterung, die uns Menschen dann erfüllt, ist körperlich spürbar. Auch das Gegenteil ist mindestens genauso eindrücklich, wenn es nicht aufhören will mit regnen. Dann ist es nicht die erlösende Geste, wenn sich die Hände zum Himmel recken. Jetzt sind es Verzweiflung und Angst, die unser Handeln bestimmen. Die Zerstörungen, die das Wasser angerichtet hat, die Existenzen, die die Fluten vernichtet haben, zeugen von der unheimlichen Kraft, die von einem Zuviel an Regen ausgehen kann.
Es die Zwiespältigkeit, mit der wir die Natur erleben, die uns manchmal erschreckt. Zwischen der Ermöglichung und der Zerstörung von Leben finden wir alles. Und wir sind diesen Gewalten dann hilflos ausgeliefert. Wir erleben die Natur und können nur darauf reagieren. Als Menschen, die gerne alles in der Hand haben wollen, fällt es uns schwer, das zu akzeptieren. Aber es ist eine Grundbedingung des Lebens. Wir sind nicht Herren der Welt, schon gar nicht Herren des Lebens. Vieles, was uns begegnet oder besser widerfährt, können wir nicht beeinflussen. Wir müssen es aushalten und ertragen.
Es ist deshalb eine wichtige Haltung, die wir entwickeln können: Das Leben ist, wie es ist, die Welt ist so, wie sie ist. Das ist keine Resignation, sondern eine wichtige Grundeinstellung. Der Regen fällt nur jetzt. Ich kann ihn nur jetzt erleben und spüren. Die Nässe auf der Hand, den Druck der einzelnen
Wassertropfen spüre ich nur jetzt auf der Haut. Je nachdem, was geschieht, sind die Folgen gut oder schlecht (für uns). Aber ganz gleich, wie diese Folgen sind, ich kann und ich muss es jetzt erleben. Das Gefühl von Regen ist nur jetzt erfahrbar. Ob es uns zum Guten gereicht oder nicht, das liegt nicht in unserer Macht. Also sollten wir uns darauf einlassen. Erst wenn ich etwas ganz erfahren habe, dann finde ich auch Wege, wie ich damit umgehen kann.
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Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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