Regen fällt auf die Welt

Jeder kennt das Gefühl, wenn es lange nicht geregnet hat und endlich die ersten erlösenden Tropfen fallen. Die Erleichterung, die uns Menschen dann erfüllt, ist körperlich spürbar. Auch das Gegenteil ist mindestens genauso eindrücklich, wenn es nicht aufhören will mit regnen. Dann ist es nicht die erlösende Geste, wenn sich die Hände zum Himmel recken. Jetzt sind es Verzweiflung und Angst, die unser Handeln bestimmen. Die Zerstörungen, die das Wasser angerichtet hat, die Existenzen, die die Fluten vernichtet haben, zeugen von der unheimlichen Kraft, die von einem Zuviel an Regen ausgehen kann.
Es die Zwiespältigkeit, mit der wir die Natur erleben, die uns manchmal erschreckt. Zwischen der Ermöglichung und der Zerstörung von Leben finden wir alles. Und wir sind diesen Gewalten dann hilflos ausgeliefert. Wir erleben die Natur und können nur darauf reagieren. Als Menschen, die gerne alles in der Hand haben wollen, fällt es uns schwer, das zu akzeptieren. Aber es ist eine Grundbedingung des Lebens. Wir sind nicht Herren der Welt, schon gar nicht Herren des Lebens. Vieles, was uns begegnet oder besser widerfährt, können wir nicht beeinflussen. Wir müssen es aushalten und ertragen.
Es ist deshalb eine wichtige Haltung, die wir entwickeln können: Das Leben ist, wie es ist, die Welt ist so, wie sie ist. Das ist keine Resignation, sondern eine wichtige Grundeinstellung. Der Regen fällt nur jetzt. Ich kann ihn nur jetzt erleben und spüren. Die Nässe auf der Hand, den Druck der einzelnen
Wassertropfen spüre ich nur jetzt auf der Haut. Je nachdem, was geschieht, sind die Folgen gut oder schlecht (für uns). Aber ganz gleich, wie diese Folgen sind, ich kann und ich muss es jetzt erleben. Das Gefühl von Regen ist nur jetzt erfahrbar. Ob es uns zum Guten gereicht oder nicht, das liegt nicht in unserer Macht. Also sollten wir uns darauf einlassen. Erst wenn ich etwas ganz erfahren habe, dann finde ich auch Wege, wie ich damit umgehen kann.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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