Schwerter zu Pflugscharen

19.11.2018 |

In der eindrücklichen Szene der Verhaftung Jesu, so wie sie Matthäus berichtet, möchte Petrus Jesus verteidigen und zieht sein Schwert. Jesus aber hindert ihn daran, das Schwert zu gebrauchen und sagt: »Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.« Mt 26,52. Das ist ein wesentlicher Teil der Botschaft von Jesus, der für den Frieden unter den Menschen eingetreten ist und jede Form von Gewalt ablehnte. Diese Botschaft hat Menschen immer beeinflusst und ließ sie nach gewaltfreien Wegen zur Lösung von Konflikten suchen. In der Friedensbewegung in der ehemaligen DDR wurde das Schwert, das nicht mehr für den Krieg verwendet wird, ein wichtiges Symbol. Beim Propheten Jesaja heißt es: »Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.« Jes 2,4. Bei Jesaja ist damit der Zustand beschrieben, der am Ende der Zeiten herrschen wird, wenn das Recht Gottes sich durchgesetzt hat. In der Friedensbewegung war dies aber eine ganz reale Vision, die auch in unserer Welt umsetzbar ist. Und der Slogan »Schwerter zu Pflugscharen« wurde im Osten und Westen gleichermaßen gerufen.
Heute sind wir von einer friedlichen Welt mindestens genauso weit entfernt wie damals. Rüstungswettläufe und Geschäfte mit Waffen bestimmen den alltäglichen politischen Diskurs. Die Nachrichten berichten jeden Tag von Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen Menschen ihr Leben lassen, die Menschen zur Flucht zwingen, die verantwortlich für Not und Elend, Hunger und Tod sind. Ja, auch die, die Gewalt anwenden, werden durch Gewalt vernichtet, aber der Preis, der gezahlt wird, ist sehr hoch. Jeder Mensch, der dafür sein Leben lassen muss, ist ein Mensch zu viel.
Sind wir weltfremd, wenn wir von einer friedlichen Welt träumen? Sollen wir diese Vision von Jesaja aufgeben und die Warnung von Jesus in den Wind schlagen? Ich glaube, dass wir diese Vision brauchen, um  nicht alle Menschlichkeit zu verlieren. Und mit dieser Vision können wir ein Schwert auch mal in die Scheide zurückstecken.   
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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