Mit lauter Stimme

29.10.2018 |

In der Offenbarung des Johannes, deren Motive Emil Wachter für die Gestaltung einiger Fenster in der Autobahnkirche verwendet hat, taucht immer wieder die Stimme auf. Unheil und Drohungen werden mit der Stimme verkündet. Der Ort, von dem normalerweise das Heil ausgeht, der Tempel, ist jetzt die Stätte von der aus Tod und Vernichtung über die Welt kommt: »Dann hörte ich, wie eine laute Stimme aus dem Tempel den sieben Engeln zurief: Geht und gießt die sieben Schalen mit dem Zorn Gottes über die Erde!« (Offg 16,1) Im Verlauf der Erzählung über das Endgericht ist diese Art des Erzählens schlüssig, uns modernen Menschen aber nicht mehr zugänglich. Wir tun uns schwer, Zerstörung und Vernichtung als das Werk Gottes anzusehen und ein Gericht zu akzeptieren, das Leid, Tod und Verderben über die Menschheit bringt. Ein Richter, der über Leichen geht, nur damit das Heil zum Durchbruch kommt, müssen wir ablehnen.
Die Stimme, die aus dem Tempel kommt, hat dennoch eine Bedeutung für uns heute. Wir stehen in der Versuchung, uns einzuigeln, uns zu schützen vor dem Fremden, das unsere Gegenwart bedroht. Unsere wohleingerichtete Behaglichkeit ist gefährdet. Also: besser: »Türen zu!« In dieser Gefahr stehen wir auch in der Kirche. Weil es schwerfällt, die Botschaft von der Herrschaft Gottes hinauszutragen, machen wir lieber die Türen zu und bleiben unter uns. Wir lassen die böse Welt draußen, die uns sowieso nicht versteht. Emil Wachter zeigt aber, dass es anders geht. Wenn wir die Türen öffnen, kann die Stimme hinausdringen und in der Welt wirken. Es wäre ein Fehler, wenn wir uns einschließen und alles für uns behalten wollen.
Nur wenn die Wände durchlässig sind, nur wenn Fenster und Türen offen sind, kann etwas nach außen gelangen. Und auf die Gefahr hin, dass es dann einmal zieht: So kommt am ehesten frische Luft herein! Also dann, Fenster und Türen auf, dass das, was uns wichtig ist, draußen gehört werden kann - und das, was draußen ist, uns berühren kann.
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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