Ruhe auf der Flucht

Es ist wohl die Darstellung in den Fenstern der Autobahnkirche, die am meisten Ruhe ausstrahlt. Neben der Krippe und Weihrauchengel sitzt Maria mit dem Kind im Arm. Neben ihr steht Josef und stützt sich auf seinen Stab. Dieses Bild zieht fast noch mehr den Blick auf sich als die Krippe. Die Ruhe, die es ausstrahlt, steht im krassen Gegensatz zur Tatsache der Flucht überhaupt.
Maria und Josef möchten ihr eigenes Leben und das ihres Kindes retten. Sie müssen so schnell wie möglich ihre Heimat verlassen, um das Neugeborene vor der Verfolgung vor Herodes in Sicherheit zu bringen. Es gilt keine Zeit zu verlieren und so schnell wie möglich die Sicherheit in Ägypten zu erreichen. Eigentlich dürften sie sich keine Ruhe gönnen und doch ist es unmöglich, ununterbrochen mit einem Neugeborenen zu reisen. Wenn ein sicheres Quartier gefunden ist, kann man ausruhen und genau hier setzt Emil Wachter mit seiner Darstellung ein. Zwischen all der Angst um das eigene Leben und vor allem um das Leben des neugeborenen Kindes, der Hektik des Aufbruchs und der Flucht, der Sorge um das wenige Essen und um die Zukunft, gibt es glückselige Momente. Alles kommt zur Ruhe, es bleibt nur das Glück der jungen Familie.
Dieses Fenster in der Autobahnkirche spielt die Flucht und all die Not, die damit verbunden ist, nicht herunter. Fern davon, dass diese Situation romantisiert wird, zeigt diese Szene, dass dort, wo die größte Not herrscht, auch Augenblicke des Glückes zu finden sind. Und es gibt sie genau dann, wenn nichts anderes als der Augenblick zählt.
Glück gibt es nur im Hier und Jetzt, ganz gleich wie die äußeren Umstände auch sein mögen. Diese Glückserfahrung ändert nicht das, was geschehen ist und weiter geschieht. Aber es gibt Kraft, diese Situation durchzustehen und weiterzumachen, ganz gleich ob Flucht, Krieg, Krankheit oder andere Nöte uns begegnen.

Ansprechpartner
Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Veranstaltungen
Di. 20.10.2026
Kontemplation
Di. 27.10.2026
Kontemplation
Di. 03.11.2026
Kontemplation
Di. 10.11.2026
Kontemplation

weitere Veranstaltungen ...
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.