Für die Menschrechte

Man kann nicht oft genug auf die Bedeutung der Menschrechte hinweisen. Und es darf nicht vergessen werden, dass sie unzählige Male mit Füßen getreten werden. Auch in den Motiven der Autobahnkirche taucht ihre Verletzung immer wieder auf. Emil Wachter wird nicht müde, sie zu thematisieren. Und die Lage in der Welt zeigt, dass das auch nötig ist. Dass die Verletzung der Menschrechte kein naturgegebenes Gesetz ist, zeigt diese Darstellung. Unterdrückung geschieht durch Menschen. Ein menschlicher Fuß drückt einen Menschen nieder und lässt ihm keinen Spielraum mehr. Auch wenn es böse Strukturen gibt, so sind es doch immer wieder Menschen, die sich instrumentalisieren lassen.
Natürlich kann man fragen, warum es in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte nicht gelungen ist, der Unterdrückung von Menschen Einhalt zu gebieten. Und nachdem die Menschenrechte bei der Französischen Revolution formuliert und seither regelmäßig beschworen wurden, müssen wir uns immer wieder neu für sie einsetzen.
Auch wenn sie für alle Menschen formuliert werden, selbstverständlich sind sie noch lange nicht. Man spricht zwar von natürlichen Rechten, auf die jeder Mensch Anspruch hat, aber von alleine werden sie nicht zugesprochen, geschweige denn eingehalten. Es braucht einen guten Blick für die Wirklichkeit, um im Vorfeld zu sehen, wo sie bedroht sind. Wir müssen den Anfängen wehren.
Und wenn die Menschenrechte verletzt worden sind, dann braucht es Menschen, die solche Menschrechtsverletzungen anprangern und die Öffentlichkeit suchen. Die größte Gefahr für diejenigen, die Menschenrechte mit Füßen treten, ist die Öffentlichkeit. Wenn viele davon wissen, dann kann man Untaten nicht mehr unter den Teppich kehren. Emil Wachter erinnert uns daran. Seine Darstellung steht sinnbildlich für alle Menschrechtsverletzungen auf der Welt.

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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