Wo alles gehalten wird

Die Autobahnkirche stellt nicht nur architektonisch eine Ausnahme dar. Auch die Bilder- und Symbolsprache ist eine andere, wie wir sie aus der Tradition kennen. Und doch führt sie diese nahtlos fort und knüpft bei dem an, was wir kennen. Die vier Träger der Kirche werden durch die vier Evangelisten symbolisiert. Wurden früher die Apostel als diejenigen gesehen, die die Kirche tragen - in alten Kirchen sind es die Säulen im Kirchenschiff - so ist es jetzt das Evangelium. Emil Wachter und der Architekt Friedrich Zwingmann gehen somit an die Quellen der Verkündigung zurück.
Doch auch das Evangelium muss zusammengehalten werden. Und was ist näherliegender als sich auf den ursprünglichen Kern der Frohen Botschaft zu berufen, auf Jesus Christus. Er ist symbolisiert durch das Kreuz und hält das Evangelium und damit die Kirche zusammen. Wie in einem alten Kreuzrippengewölbe werden mit dem Schlussstein die vier Streben gehalten. Das Kreuz, das christliche Symbol der Erlösung zeichnet sich nicht nur im Grundriss der Kirche ab, sondern wird auch an der Spitze der Kirche sichtbar.
Die vier Träger stehen für das Evangelium, Jesus Christus hält das Evangelium zusammen. Die Verkündigung der frohen Botschaft zielt auf Jesus Christus hin und hebt ihn empor. Und wir sind in dieses Geschehen eingebunden, was wir in dieser Kirche auch erfahren. Wir stehen auf dem Boden der Kirche, finden einen festen Halt und blicken nach oben und sehen das lichtumstrahlte Kreuz.
Der ganze Bau der Kirche wäre sinnlos, wenn wir nicht unter diesem Dach, das hier aufgespannt wird, zusammenkommen um zu feiern oder uns in der Stille zu versenken. Der Schlussstein gibt Halt und Sicherheit, er schließt das Ganze ab und ermöglicht diesen Freiraum und Rückzugsraum. Wir sind eingeladen, uns unter diesen Schirm zu stellen, unter diesem Dach bin ich dem Himmel und Jesus Christus nah.

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Rasender Stillstand

An der Rückseite des Noah-Turmes sehen wir ein einzelnes Auto. Es sieht so aus, als sei es in voller Fahrt, aber auf dem Stein im Moment erstarrt, es steht still. Kaum ein anderes Symbol für unser Mobilitätszeitalter ist so sprechend wie das Automobil. Schon 1978, als Emil Wachter den Noah-Turm schuf, kritisierte er unser Verhältnis zum Auto. Es ist verantwortlich für die neue Sintflut. Nicht mehr das Wasser bedroht die Erde und alles Leben darauf, sondern der Verkehr und die moderne Technik, die durch die individuelle Mobilität ausgelöst wurde. Emil Wachter hat das schon 1978 erkannt, als nur ein Bruchteil der Fahrzeuge von heute auf den Straßen unterwegs waren. Sie überfluten die Erde. Längst ist die Automobilbranche zu einer weltweiten Schlüsseltechnologie geworden.
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