Wer ist ungläubig?

Ein Mensch, der nur schwer von der Wahrheit überzeugt werden kann, wird oft als der »ungläubige Thomas« bezeichnet und das ist dann als abwertende Bezeichnung gemeint. Den Ungläubigen muss man von der Wahrheit überzeugen, er ist im Unrecht. Und Thomas braucht ja auch die Überprüfung. Er glaubt nicht den Erzählungen seiner Freunde, sondern er möchte sich leibhaftig von der Auferstehung Jesu überzeugen. Wenn es um »Glauben« geht, dann ist Thomas das Paradebeispiel für einen Unglauben, den man ablehnen muss!
Aber so einfach ist es nun doch nicht. Der Apostel Thomas entspricht wohl am ehestens unserem Weltverständnis. Wir sind darauf angewiesen, dass wir überprüfbare Beweise für Behauptungen beibringen, ansonsten sind wir unglaubwürdig. So wie Thomas geht es den meisten von uns. Und warum auch nicht. Gibt es eine Möglichkeit für uns, dass wir glauben können, ohne die Fakten zu kennen?
Thomas hat auch etwas ganz Wichtiges verstanden: Die Auferweckung Jesu ist ein Geschehen, das alles andere als glorreich ist. Er möchte erfahren, dass der Auferstandene mit demjenigen identisch ist, der am Kreuz gestorben ist. Er kann sich die Auferstehung nicht vorstellen, ohne dass die Wundmale sichtbar sind. Sie dienen ihm als Beweis dafür, dass es sich um Jesus handelt, der am Kreuz gestorben ist. Die Auferstehung wischt dieses Geschehen nicht wunderbar weg, sondern bewahrt die Erinnerung daran. Davon muss sich Thomas überzeugen. Er hat verstanden, dass die Auferstehung das Leid nicht ausschließt, sondern dass es ohne dieses Leiden keine Auferstehung gibt.
Genau da liegt die Herausforderung für uns. Können wir akzeptieren, dass die Auferstehung durch das Leiden hindurch muss? Brauchen wir dafür Beweise? Ich glaube Ja und das geht so, wie es Thomas tut. Beachten wir die Wundmale! Thomas ist unser Vorbild, denn er gibt sich nicht mit den Berichten zufrieden, sondern er fragt nach und will sich überzeugen. Der Apostel Thomas ist nicht ungläubig, sondern genau genommen der erste wahre Gläubige überhaupt.
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Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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