... wo er gelegen hat

Der Kern der christlichen Verkündigung ist der Tod und die Auferstehung Jesu. Der Tod hat nicht das letzte Wort, es geht weiter. Es folgt die Auferstehung. Und da wird es schwierig. Wie können wir von etwas reden, für das wir keine Worte geschweige denn einen offensichtlichen Beweis haben? In den Evangelien werden zwei Arten gezeigt, wie die Jünger damals zum Glauben an die Auferstehung kamen: Es gab Erscheinungen des Auferstandenen und das leere Grab wurde gezeigt. In dieser Darstellung in der Krypta der Autobahnkirche sehen wir die zweite.
Frauen kommen zum Grab, um den Leichnam Jesu zu Salben. Sie finden das Grab leer vor, ein Mann zeigt ihnen die Stelle, an der der tote Leib lag. Hier sehen wir das Hinweisen. Eine Hand, die gleichsam aus dem Nichts, aber doch von oben kommt, deutet auf den Stein, auf den Jesus gelegt wurde. Die andere Hand ist offen und einladend ausgestreckt, als wollte sie sagen: Komm her und schau es Dir an. Nach der Erzählung fliehen die Frauen entsetzt und verstört vom Grab weg. Die Einladung hat nicht funktioniert. Aber das verstehen wir ja, wir würden wahrscheinlich genauso reagieren. Die Frauen hatten die Chance, im Gegensatz zu uns, am Originalschauplatz zu überprüfen, dass Jesus auferstanden ist. Sie nutzen sie nicht. Geht es aber um diesen Gegensatz? Nein. Wir können diese Darstellung auch übertragen lesen.
Dann hört es sich so an: »Komm her an diesen Ort, komm ganz nahe, fürchte dich nicht. Hier hat er gelegen, von hier geht alles aus.« Das ist in unsere Gegenwart gesprochen. Es heißt: »Diese Kirche, dieser stille Ort zeigt es Dir, da hat er gelegen. Komm her und überzeuge Dich. Hier kannst Du eine wesentliche Erfahrung machen. Hab keine Angst. Lass dich darauf ein!«
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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