Hilf mir!

Auf der linken Seite zum Aufgang zum Hauptportal der Autobahnkirche sieht man eine ausgestreckte Hand. Sie sieht aus wie die Hand eines Menschen, der aus Angst vor dem Ertrinken um Hilfe schreit. Hilfe, Hilfe! Diese Geste kennen wir und hoffen doch, sie niemals in Wirklichkeit sehen zu müssen. Denn dann ist Hilfe gefordert. Diese Hand reckt sich den Menschen entgegen, die in die Kirche oder wieder von hier weggehen.  Für diejenigen, die in die Kirche kommen, ist es vielleicht ihre eigene Hand, die sie Gott entgegenstrecken. »Hilf mir, ich schaff es nicht alleine! Ich brauche dich jetzt!« Viele Menschen kommen mit dieser Einstellung in diese Kirche, weil sie sich gerade hier Hilfe erhoffen. Und viele haben diese Hilfe ja schon erfahren, sonst würde sie nicht wiederkommen. Wir wissen aber auch, wie oft die Hand vergeblich ausgestreckt und die erhoffte Hilfe nicht gefunden wurde.
Wenn sich die Hand denjenigen entgegenstreckt, die die Kirche verlassen, ist es eine Erinnerung daran, dass da draußen Menschen sind, die Hilfe brauchen und deren Hände sich uns entgegenstrecken. Auch diese Hand sagt: »Ich schaff es nicht allein!« Sie wendet sich jetzt aber an konkrete Menschen in der Hoffnung, dass von diesen Hilfe kommt. Was ist dann, wenn nicht geholfen wird? Moralisch stehen wir hier in der Pflicht.
Was müssen wir als Christen tun? Die Frage ist falsch gestellt. Es geht nicht um moralische Forderungen aufgrund unseres Christseins. Weil wir uns helfend an andere und an Gott wenden und weil wir selbst die helfende Hand sind, deshalb sind wir Christen. Wir erleben uns als Menschen, die beides sind: Hilfsbedürftige und Hilfegebende. Beide kommen von dem Versprechen und der Hoffnung her, dass jemand da ist, der oder die hilft. Und das Vertrauen in diese Hilfe ist lebensnotwendig, ganz gleich auf welcher Seite wir stehen, ob wir jetzt in die Kirche hinein- oder in die Welt hinausgehen.
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Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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