Woran hängt dein Herz?

Man könnte es ein prophetisches Bild nennen, das wir an der Südseite der Fenster in der Autobahnkirche sehen. Eine Hand hält einen Schatz hoch, etwas wertvolles, das nicht mehr verloren gehen soll. Worin besteht dieser Schatz? Emil Wachter lässt das Geheimnis offen, was es sein könnte. Für den heutigen Betrachter ist es aber eindeutig. Eine Hand hält ihren Schatz hoch, ich sehe darin ein Smartphone. Nicht, dass Emil Wachter die Entwicklung vorausgesehen hat, aber wenn man dieses Fenster mit unseren Augen betrachtet, kann man das darin sehen.
Wenn man bedenkt, wie wichtig diese Geräte in kürzester Zeit geworden sind, dann könnte man meinen, dass wir eine Grenze überschritten haben. Wir können uns ein Leben ohne diese Begleiter kaum mehr vorstellen, ja, wir wissen ja nicht einmal mehr, wie ein Leben ohne ständigen Anschluss an die weltweite Community geht.
Da ist etwas wichtig geworden, unverzichtbar, da hat etwas unser Leben verändert und wir können uns dem nicht entziehen. Ich möchte jetzt nicht in Kulturpessimismus verfallen. Aber wie jede technische Errungenschaft haben Smartphones etwas Gutes und stellen gleichzeitig eine Gefahr dar. Es ist wie mit dem Schatz im Acker, von dem Jesus in seinem Gleichnis spricht (Mt 13,44): Ein reicher Kaufmann findet einen Schatz und verkauft alles, um sich den Acker kaufen zu können, in dem der Schatz vergraben liegt. Man könnte auch hier auf die Gefahr des Besitzes und der Gier nach immer mehr hinweisen, sie ist ja nicht von der Hand zu weisen. Es geht aber um etwas anderes: Was ist mir wichtig? Für was bin ich bereit, Zeit, Energie, Geld zu investieren, weil ich davon überzeugt bin, dass es gut für mich ist.
Jesus bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: »Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.« (Lk 12,34) Eine definitive und einfache, für alle gültige Antwort ist nicht möglich. Jede und jeder muss sich diese Frage selbst und immer wieder neu stellen: Was ist mir wichtig? Woran hängt mein Herz? Auf was bin ich so stolz, dass ich es allen zeigen will? Ist es wirklich nur das neueste Smartphone oder gibt es für mich noch etwas anderes?
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Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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