Leben ist Begegnung

Menschen brauchen einander. Wir sind nicht zu Eremiten geschaffen. Am deutlichsten wird dies dadurch, dass wir darauf angewiesen sind, dass man mit uns spricht. Wir reden mit anderen und hören zu. Selbst wenn wir nicht so gesprächig sind, ohne Sprache können wir kaum mehr ausdrücken, was uns bewegt und wie wir einander brauchen.
Der menschlichen Rede voraus geht aber die Begegnung. Ich erkenne ein Gegenüber und trete mit ihm in Kontakt. Aus der Psychologie wissen wir, dass der erste Kontakt über die Augen geschieht, dann über die anderen Sinne. Und bevor überhaupt ein erstes Wort fällt, ist das meiste schon gesagt und festgelegt. Diesen ersten Eindruck können wir nur schwer revidieren.
Unser Leben ist durch Begegnungen gekennzeichnet. Wie oft im Laufe eines Tages blicken wir anderen in die Augen? Wie oft tauschen wir uns auch über Belangloses aus? Wie vielen Menschen begegne ich an einem Tag? Begegnung ist vielfältig, aber findet bei den vielen Kontakten, die wir tagtäglich nutzen, auch immer wirkliche Begegnung statt? Ist nicht schon im Vorfeld alles klar und wir meinen zu wissen, wie der andere zu uns steht und ob uns das anstehende Gespräch etwas bringt?
Leben ist Begegnung, keine Frage. Und jeder Mensch, dem ich in die Augen schaue, dem begegne ich auch. Aber wir müssen uns auch fragen, ob wir alle Dimensionen der Begegnung zulassen und diesem Menschen eine Chance geben. Sicherlich ist das nicht immer möglich. Je größer die Menschenmenge ist, umso oberflächlicher und anonymer ist die Begegnung. Wir können uns trotzdem immer wieder daran erinnern, dass wir auch die Chance zu einer wirklich tiefen Begegnung haben. Es liegt an uns, was wir zulassen.
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Am Boden zerstört

Es ist die pure Verzweiflung, die am Fenster aus dem Passionszyklus in der Autobahnkirche dem  Betrachtenden entgegen schreit. Eine blutende, verkrümmte Person wendet sich in ihrer Not nach oben und schreit um Hilfe. Im Psalm 130 wird das sehr anschaulich geschildert: »1 (...)Aus der Tiefe meiner Not schreie ich zu dir. 2 HERR, höre mich doch! Sei nicht taub für meinen Hilferuf!« (Psalm 130, Übersetzung Gute Nachricht) Immer wieder haben Menschen in ausweglosen Situationen ihrer Verzweiflung Ausdruck gegeben, viele Hilferufe sind ungehört verhallt und haben keinen Niederschlag in der Geschichtsschreibung gefunden. Im besten Fall tauch ihr Leid in anonymen Opferzahlen aus, die das unermessliche Leid nichtannähernd widerspiegeln.
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