Zurück auf Anfang

Es tut immer wieder gut, wenn man sich auf die eigenen Wurzeln besinnt. »Wo komme ich her?« ist die erste Frage, von vielen. Am Ende sucht man die Antwort auf »Wer bin ich?«. Eine Antwort, die für immer gültig ist, findet man nicht, sie wird je nachdem, in welcher Situation man ist, unterschiedlich ausfallen. Nach der biblischen Urgeschichte steht am Anfang des Mensch-Seins das erste Menschenpaar Adam und Eva. Aus diesem einen Paar entwickelte sich - mit Rückschlägen - die heutige Menschheit. In diesen beiden war alles, was sich heute noch zeigt, grundgelegt. Eine Erklärung dafür, warum es so ist, wie es ist.
Heute reicht diese mythologische Erklärung nicht aus, wir kennen andere. Wir erklären uns nicht mehr als von einem einzigen Menschenpaar abstammend, wir brauchen nicht die Beschreibung der Schaffung des Menschen aus Ton. Wir wissen anderes, ob wir es besser wissen, ist noch die Frage. Uns leitet aber das gleiche Interesse wie unsere Vorfahren. Wir wollen verstehen, warum es so ist, wie es ist. Auch wir ahnen, dass in unserem Anfang alles das schon vorhanden ist, was uns heute prägt. Das Erforschen der Wurzeln ist notwendig, das Wissen um die eigene Herkunft unverzichtbar. Wenn man sich von seinen Wurzeln abschneidet, dann fehlt ein wichtiger Grund, aus dem Lebenskraft geschöpft werden kann. Manchmal ist dieser Zugang schwierig, manchmal äußerst schmerzhaft. Aber es hat auch etwas Reizvolles, sich mit dem eigenen Ursprung auseinander zu setzen.
Man entdeckt etwas Neues, das vielleicht verstehen hilft, was jetzt gerade ist. Sicherlich ergeben sich damit auch viele neue Fragen, aber das macht diese Suche aus. Und zurück auf Anfang heißt nicht, dass man wieder so leben muss. Es reicht, wenn ich die Anfänge verstehe, weil ich dann besser in der Gegenwart lebe. Also fangen wir hin und wieder auch bei Adam und Eva an! 
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Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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