Löwengesicht

Schon sehr früh, als die Autoren der vier biblischen Evangelien namentlich festgelegt worden sind, war auch das Symbol für den Evangelisten Markus gefunden. Anscheinend steht er für die Ursprünglichkeit und die unbändige  Kraft, die dieses Evangelium ausstrahlt. An der Autobahnkirche hat Emil Wachter den »Löwen Markus« an den Sockel eines der vier Träger des Daches der Autobahnkirche angebracht. Die anderen drei werden selbstverständlich durch die Symbolgestalten der anderen drei Evangelisten gestützt. Der Löwe hat auch Flügel. Er ist somit auch der göttlichen Sphäre zugehörig
Das Löwengesicht strahlt Kraft und Stärke aus. Das soll auch das Evangelium. Der Löwe blickt nicht in die Kirche hinein, sondern in die Welt hinaus. Auch das spricht für die Zielrichtung des Evangeliums Es muss in die Welt hinaus getragen werden. Und das mit der ganzen Überzeugung, die der Löwe bedeutet. Wenn er brüllt, so kann ihm sich nicht entziehen, es geht durch Mark und Bein. So soll auch das Evangelium die Welt und vor allem die Menschen im tiefsten Grunde erschüttern, denn nur so kann es die Welt verändern.
Und noch etwas sagt uns der starke Löwe. Die Autobahnkirche und damit sinnbildlich die ganze Kirche wird von ihm und von den anderen Evangelisten getragen. Ohne das Evangelium könnte die Kirche nicht ihre Schutzfunktion ausüben. Die löwenähnliche Wächtergestalt beschützt und trägt die Kirche, das Evangelium schützt und trägt die Kirche - und hält sie somit am Leben.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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