Warten

Heute muss es schnell gehen. Dann hält es auf, wenn man warten muss. Ja, Warten müssen ist unangenehm. Sei es in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt, sei es im Wartezimmer beim Arzt, auf dem Bahnsteig auf den verspäteten Zug oder auch schon an der roten Ampel. Wenn wir warten müssen, verlieren wir Zeit. Warten passt nicht mehr in unsere Zeit.
Wir sind auch ungeduldig, wenn wir auf die Erfüllung eines Wunsches warten müssen oder wir nicht gleich das tun können, was wir wollen. Warten hindert uns daran, jetzt gerade glücklich zu sein. Ist das wirklich so? Kann Warten nicht auch zu einer Quelle des Glücks werden? An der Mose Treppe in der Autobahnkirche sehen wir die Darstellung einer sitzenden Frau. Sie hat sich in ihrer Position eingerichtete, als bliebe sie länger so sitzen. Diese Frau wartet. Dabei strahlt sie eine Ruhe aus, die ansteckend wirkt. Es ist die Haltung, die viele Menschen auch einnehmen, wenn sie beten. So wird aus der wartenden Haltung auch die Haltung des Gebetes. Und genaugenommen ist Beten ja nichts anderes als Warten. Betende warten darauf, dass sich Gottes Wille durchsetzt. Und dann ergreifen sie die Initiative und stehen auf.

Sich hinsetzen und es sich einigermaßen bequem machen und warten. Das kann beruhigen, wenn nichts anderes ist. Aber genau darum geht es. Sich Zeit nehmen und warten. Manchmal tut es gut, dieses Warten einzuüben. Dann wartet man auf Nichts. Diese Erfahrung hilft dann, wenn wir wirklich mal warten müssen, ebenso gelassen zu bleiben. Dann werden erzwungene Wartezeiten zur geschenkten Zeit, in der ich nichts anders tun muss als Warten.
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Rasender Stillstand

An der Rückseite des Noah-Turmes sehen wir ein einzelnes Auto. Es sieht so aus, als sei es in voller Fahrt, aber auf dem Stein im Moment erstarrt, es steht still. Kaum ein anderes Symbol für unser Mobilitätszeitalter ist so sprechend wie das Automobil. Schon 1978, als Emil Wachter den Noah-Turm schuf, kritisierte er unser Verhältnis zum Auto. Es ist verantwortlich für die neue Sintflut. Nicht mehr das Wasser bedroht die Erde und alles Leben darauf, sondern der Verkehr und die moderne Technik, die durch die individuelle Mobilität ausgelöst wurde. Emil Wachter hat das schon 1978 erkannt, als nur ein Bruchteil der Fahrzeuge von heute auf den Straßen unterwegs waren. Sie überfluten die Erde. Längst ist die Automobilbranche zu einer weltweiten Schlüsseltechnologie geworden.
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