Zugeschlagene Türen

Noah schließt die Türen der Arche und macht sich auf die lange Fahrt, um seine Familie und jeweils ein Tier jeder Gattung zu retten. Ihn soll die Flut nicht vernichten und das Leben auf der Welt soll weitergehen. So hören wir die Botschaft aus dem Buch Genesis. Diese Geschichte wird meist als Rettungsgeschichte und sie ist es ja auch. Doch da ist auch eine andere Dimension. Rettung für ein paar wenige und Tod und Vernichtung für die meisten anderen. Und das, weil sie nicht nach den Geboten Gottes gelebt haben? Da regt sich Widerspruch, dieses Vorgehen widerspricht unserem Gerechtigkeitsempfinden.
Gerade in Zeiten, in denen Abschottung und geschlossene Grenzen diskutiert werden, in denen ma liebsten jeder mit seinen eigenen Problemen klarkommen soll, ist die abgeschlossene Arche ein Zeichen für dieses - im wahrsten Sinne des Wortes - Verschließen. Die Türe der Arche werden geschlossen, niemand kommt mehr herein, wer zu spät ist oder wer nicht auserwählt ist, der hat Pech gehabt. Diese Lösung mag noch angehen, wenn man sich auf ein Weltbild beruft, indem der Gehorsam Gott gegenüber im Vordergrund steht. Aber ist das heute noch ein mögliches Vorgehen? Dürfen wir zulassen, dass die Tore geschlossen werden und viele Menschen, die zufällig oder auch durch eigenes Verschulden auf der falschen Seite stehen, vernichtet werden?
Wohl kaum. Und wir tun uns auch schwer, das aus religiöser Sicht zu akzeptieren. Wir denken da eher an Gott als Kraft, die rettend eingreift, die eben nicht die Türen zuschlägt, sondern alles Leben retten will. Es wäre schön, wenn Gott so eingreift. Wir sind aber auch gefragt, ob nicht wir es sind, die Türen zuschlagen. Stünde es uns nicht besser an, sie offen zu halten?
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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