Ich will es anders

Protest, so heißt es, ist das Vorrecht der Jugend. Veränderungen werden meist durch Menschen angeregt. Das ist eine Erfahrung, die sich durch die Menschheitsgeschichte durchzieht. Aber wird dieser jugendliche Elan ernstgenommen? Und nehmen sich junge Menschen dabei immer auch selbst ernst? Trauen sie dieser Kraft, die in ihnen steckt?
Der Prophet Jesaja wurde als junger Mensch zu einer Aufgabe berufen, die ihn zu überfordern drohte. Er machte sich aber auf und begann sein Leben lang, eine Botschaft zu verkünden, die ihm wie glühende Kohlen im Mund brannte. Es ist die Entschiedenheit, mit der er gegen die Missstände seiner Zeit angeht. Er prangert mutig das an, was in seinen Augen und in den Augen Gottes im alten Israel schief gelaufen ist. Immer wieder kritisiert er die Machthaber und Könige um ihn herum, er droht kommendes Unheil an. Aber er hat auch eine Hoffnung, die jenseits des Unglücks liegt, das sein Volk treffen wird. Er vertraut darauf, dass das Böse nicht siegen wird.
Jesaja ist ein gläubiger Mensch, einer der vertraut und der mit dem, wie es gerade läuft, nicht zufrieden ist. Er hofft darauf, dass Gott eingreift. Er weiß, dass jetzt nur noch Gott eingreifen kann. Er ist ein Träumer, weil er nur noch auf das Eingreifen Gottes hofft. Er hat Ideen davon, wie es anders sein kann. Er handelt und steht auf, er möchte seinen Teil zur Veränderung der Welt beitragen. Jesaja ist ein Prophet für junge Menschen, denn er zeigt, wie es gehen kann. Er bleibt nicht beim Protest stehen, sondern setzt sich ein für eine andere Welt. Menschen mit einer klaren Vorstellung von dem, was sein soll, werden gebraucht. Ohne sie geht
es der Welt und der Menschheit immer schlechter. Wir brauchen die Ideen der Jugend, denn ohne sie fehlen Maßstäbe in unserer Zeit. Vielleicht müssen wir dazu ermutigen.

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Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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