Der gute Hirte

Es ist wohl eines der schönsten Bilder, mit denen wir Gott beschreiben können. Es ist an der Autobahnkirche auf der größeren der beiden Glocken abgebildet. Gott ist wie ein Hirte, der sich um die Schafe sorgt. Auch wenn es sich beim Hirten um ein eher männlich geprägtes Bild handelt, sind doch Eigenschaften von Männern und Frauen in diesem Bild vereinigt. Ein Hirte kümmert sich um die Schafe, eine Hirtin sucht nach den besten Weideplätzen, ein Hirte beschützt die Herde und führt sie durch Gefahren hindurch, eine Hirtin schaut nach dem Nachwuchs. Das Bild eines Hirten oder einer Hirtin ist eines, das Schutz und Geborgenheit ausstrahlt.
Der Hirte taucht im Psalm 23 auf. Gott wird als Hirte beschrieben, der für die Seinen sorgt. Jesus selbst bezeichnet sich als der gute Hirte, auf den seine Schafe fixiert sind und der sie nicht im Stich lässt. Und er redet von Gott als demjenigen, der auch ein verlorenes Schaf sucht und sich freut, wenn er es wiedergefunden hat. Dies könnte das Motiv sein, das auf der großen Glocke abgebildet ist. Der Hirte nimmt das wiedergefundene Schaf liebevoll auf seine Arme und schaut es freudig an.

Was bedeutet es, wenn der gute Hirte auf der Glocke abgebildet ist? Glocken sind zunächst dazu da, Menschen aufmerksam zu machen und aus ihrem Alltag »aufzuschrecken«. Die Glocken fordern zum Gebet auf und rufen zum Gottesdienst. Ihre wichtigste Aufgabe ist es aber, die Botschaft von Gott weithin hörbar zu machen. Das Bild von Gott als Hirten, der es gut meint mit seinen Schafen, ist gleichsam der Grundakkord für diese Botschaft, die hinausgetragen wird. Das ist der Klang dieser Glocke.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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