Der Eckstein

Ein Stein, der einen Menschen erschlägt oder zumindest niederdrückt. Eines der eher gewalttätigen Bilder, die wir bei der Autobahnkirche finden. Dargestellt ist der Eckstein, der die Mächtigen zu Fall bringt. Dieses Bild ist Ausdruck der Hoffnung, die Herrschafts- und Besitzverhältnisse, die wir vorfinden, nicht für alle Zeiten festgeschrieben zu wissen. Hiermit wird die Sehnsucht ausgedrückt, dass Gott eingreifen möge, denn so, wie es in der Welt aussieht, kann es nicht weitergehen.

Die Dynamik zieht den Betrachter in den Bann. Der »geschliffene« Eckstein, der Stein mit Ecken und Kanten fällt mit der Spitze nach unten auf den Menschen. Dieser versucht zwar, seinem Unheil zu entkommen, aber er ist schon in der Position, dass er sich nur mehr kriechend entfernen könnte, was jetzt nicht mehr reicht. Auch der Schrei nach Hilfe verhallt ungehört und seine ausgestreckte Hand wird auch nicht ergriffen. Es ist keine Rettung da. Eingerahmt ist die Szene von einem Strahlenkranz.

Mich beschleicht ein ungutes Gefühl, denn ich frage mich: »Wem gilt dieses Urteil? Wer wird von dem Eckstein zermalmt?« Wenn ich mich danach sehne, dass Gott in das Weltgeschehen eingreifen möge, dann möchte ich nicht derjenige sein, über den das Urteil gefällt wird, sondern ich möchte auf der anderen Seite, der sicheren Seite stehen. So ist diese Szene für mich eine Erinnerung und Mahnung, der Gerechtigkeit Gottes Raum zu geben, auch wenn ich sie nicht begreifen und noch viel weniger verstehen kann. Mir bleibt die Hoffnung, dass dann alle gerettet werden und der vernichtende Stein niemanden treffen möge.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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