Die Welt zu Füßen

»Ich lege Dir die ganze Welt zu Füßen, Du kannst sie nach Gutdünken beherrschen, alles gehört Dir! Es gibt nur einen Haken: Du musst mir Deine Seele verkaufen, wenn Du tot bist, gehört sie mir.« So oder ähnlich wird in der Literatur mancher Pakt mit dem Teufel geschlossen, Jesus selbst wird dieser Versuchung ausgesetzt: »8 Zuletzt führte der Teufel Jesus auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt in ihrer Größe und Pracht 9 und sagte: ›Dies alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.‹ 10 Da sagte Jesus: ›Weg mit dir, Satan! In den Heiligen Schriften heißt es: 'Vor dem Herrn, deinem Gott, wirf dich nieder, ihn sollst du anbeten und niemand sonst.'‹« (Matthäus 4,8-10, Übersetzung Gute Nachricht) Diese Erzählungen spielen mit dem Gedanken, dass ein kurzer Vorteil für den Augenblick mit ewigen Strafen bezahlt wird. Die Botschaft dahinter: So ein vergiftetes Angebot lohnt nicht!
Aber es ist trotz allem verlockend und wir Menschen stehen immer wieder in der Gefahr, zuzuschlagen und den Pakt mit dem Teufel zu schließen. Jesus wehrt sich mit einem spirituellen Argument: Gott allein soll verehrt werden. Steht Gott als Schöpfer im Mittelpunkt, dann habe ich selbst Kriterien, an denen ich eine mögliche Herrschaft ausrichten muss. Es ist nicht die Willkür oder die Macht des Teufels, die alle Macht in Händen hält. Jesus verzichtet freiwillig und überlässt die Welt der Fürsorge Gottes. 
Er sagt zu Satan, dass der Mensch kein Recht darauf hat, dass die Welt ihm zu Füßen liegt. Gott allein gebührt dieses als dem, der die Welt erschaffen hat. Die Welt hat ihre eigenen Gesetze, sie ist Abbild Gottes und gehört niemandem, weder dem Teufel, der sie gar nicht »verschenken« kann, noch den Menschen, die es noch nie geschafft haben, gut mit der übertragenen Herrschaft umzugehen. Es bleibt die Frage, ob und wie ich solch einem Ansinnen entgegentreten kann und will. Wäre ich bereit, meine Seele auf alle Ewigkeit dem Teufel zu verkaufen, nur um ein paar Jahre lang große Vorteile zu genießen? Willst Du kurzes Glück für ewiges Leid? Es geht hier nicht um Anbetung Gottes oder des Teufels, sondern um eine Haltung der Schöpfung Gottes gegenüber.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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