Das Recht auf Arbeit

Ganz oben am Noah-Turm, wird an ein wichtiges Menschenrecht erinnert: Das Recht auf Arbeit. Eine politische Aussage an einem Bauwerk, an dem es um die Schöpfung und den Neuanfang nach der Sintflut geht? Die geballte Faust verschafft diesem Schlachtruf weitere Geltung. Zwar haben Menschen immer gearbeitet, aber die meiste Zeit war es ein Schaffen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeitsverträge gibt es noch gar nicht so lange. Wenn sich die gesellschaftlichen Bedingungen verändern, dann hat das auch Auswirkungen darauf, wie wir unser Arbeitsleben strukturieren. Zu Zeiten der Jäger und Sammler haben ein paar Stunden am Tag ausgereicht, um das notwendige zum Essen zu haben und das zu tun, was für den Lebensunterhalt nötig war. Erst durch den Besitz von Herden bei den Nomaden, die Sesshaftwerdung mit dem Ackerbau, die Arbeitsteilung in den Städten musste immer mehr Zeit aufgewendet werden, um das zu verdienen, was man zum Leben braucht. Heute wird Arbeit zu einem ganz zentralen Element der Lebensplanung. Arbeit dient nicht mehr allein der Versorgung, sondern soll dem Leben einen Sinn geben. Am Ende dieser Entwicklung steht zwangsläufig die Forderung nach dem Recht auf Arbeit. Wer keine Arbeit hat, fühlt sich selbst nutzlos und kann nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Deshalb ist es heute richtig, dass Arbeit als Menschenrecht definiert wird. Doch tun wir uns einen Gefallen, wenn wir die Arbeit so wichtig nehmen und daran so viele Bereiche unseres Lebens ausrichten? Wohnort und Familienplanung, Ausbildung und Freizeit richten sich immer mehr an den Bedürfnissen der Arbeit aus. Sicherlich schaffen wir damit auch einen Sinn in unserem Leben. 
Die Erfahrung zeigt aber, dass Arbeit allein nicht glücklich macht. Wir müssen uns fragen, warum wir auf der Welt sind: Leben wir, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben? Am Noah-Turm wird das Recht auf Arbeit als Folge des Sündenfalls definiert, der Mensch muss im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen, sprich: Arbeiten. Ob uns das immer nutzt, ob wir so glücklich werden, sei dahingestellt, denn dem Recht auf Arbeit muss doch auch ein Recht auf Müßiggang gegenüber gestellt werden.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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