Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
Sie teilt das Schicksal vieler Frauen, die, indem sie treu zu ihrem Gatten stehen, Gleiches wie er erdulden müssen, aber von der Geschichtsschreibung vergessen werden und, wenn überhaupt, nur nebenbei erwähnt werden. Es ist ungerecht, denn sie muss, genauso unverschuldet wie ihr Mann alles Leid ertragen und hat keine Möglichkeit dem zu entgehen. 
Möglicherweise hat sie nicht nur ihm, sondern sich selbst den Tod gewünscht, um all das nicht mehr erleben zu müssen. Sie, die Namenlose, ist so ernst und wichtig zu nehmen, wie Hiob selbst. Ihr gebührt viel Hochachtung, dass sie, auch wenn sie es anders gesehen hat, seinen Weg mitgeht und ihm die Treue hält, in guten und in schweren Zeiten, wie es gerne ausgedrückt wird. An Hiob und seiner Frau wird aber auch deutlich, dass Paare, die Schweres miteinander erleben, das Geschehene unterschiedlich verarbeiten und jeweils ganz persönlich auf das Leid reagieren, das ihnen widerfahren ist. Das verwundert nicht. Aber dass diese Frau von der biblischen Geschichtsschreibung so vergessen wird, ist ein Skandal. Bewahren wir ihr Gedächtnis! Vergessen, übersehen wir sie nicht!
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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